Stadt Bad Soden am Taunus

Stadt Bad Soden am Taunus

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Der Bau der Sodener Eisenbahn

Die Bad Sodener Eisenbahn gehört zu den drei Stichbahnen rund um Frankfurt, die vor 1860 gebaut worden waren; sie ist die älteste. Die Konzessionserteilung erfolgte am 26.07.1845 an die Sodener Aktiengesellschaft, die auch zugleich die Genehmigung zum Bau des Sodener Kurhauses erhielt. Erteilt wurde die Konzession dem Frankfurter Bankhaus Gebrüder Bethmann. Ausschlaggebend für den Bau war die Erwartung, dass der Sodener Badebetrieb weiteren Aufschwung nehmen würde und damit für die Aktionäre ein gutes Geschäft mit dem neuen Verkehrsmittel zu erwarten war, außerdem ein schnelleres und bequemeres Reisen von der Stadt nach dem Badeort für die Frankfurter Bürger versprach, zumal die Sodener Bahn an die 1839/40 eröffnete Taunusbahn Frankfurt-Wiesbaden Anschluss hatte.

Für die Trasse musste man zur Vermeidung größerer Steigungen den flachen Hang des Sulzbachtales ausnutzen. Für den Bau des Bahnkörpers wurden 77 Parzellen, insgesamt 10 Morgen 124 Ruthen 82 Schuh Land im Zehntablösungswert von 495 fl 36 xr an die Eisenbahn abgegeben, für den Bau von neuen Feldwegen neben der Bahnlinie weitere 73 Parzellen mit 1 Morgen 14 Ruthen 43 Schuh benötigt, Zehntablösungswert 50 fl 20 xr. In der Gemarkung Soden verlor die Herzoglich Nassauische Domäne die Zehntberechtigung für 4 Morgen 55 Ruthen 42 Schuh, ein Verlust von 199 fl 55 xr nebst Zinsen von 5 % ab 11.11.1845, die vom Amt in Höchst eingefordert wurden.

Über den Bahnbau berichtet der Jahresbericht der Sodener Aktiengesellschaft von 1847. In Höchst errichtete man eine Remise für die Lokomotiven, zwei Wärterwohnungen und ein Wasserhaus, in Soden ein Empfangsgebäude mit Kassiererwohnung, einen Güterschuppen, ein Magazin sowie ein Wasserhaus. Auch dein "Freiabtritt" fehlte nicht. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 651.420 Mark. 153.000 Mark waren für den Grunderwerb erforderlich gewesen, 66.912 Mark für Erdarbeiten und Durchlösse, 201.396 Mark für den Oberbau, wobei 85 mm hohe Schienen verlegt wurden, von denen einem Meter das Gewicht von 22 kg hatte. Für Wegübergänge mit Schranken und Wächterhäuschen mussten 7.092 Mark aufgebrachte werden. Die Bahnhofsbauten kosteten 32.474 Mark, Drehscheiben, Weichen und Einfriedungen 30.372 Mark, die beiden Lokomotiven 73.716 Mark, die Wagen 30.900 Mark. Gebaut worden waren die Lokomotiven von der Karlsruher Maschinenfabrik Emil Keßler 1846 mit den Nummern 53 und 54. Sie trugen den Namen "Soden" und "Nassau". Jede hatte ein Leergewicht von 16,65 t, das Dienstgewicht betrug 18,90 t, der Zylinderdurchmesser 30,5 cm, der Durchmesser des Treibrades 1,425 m.

Der Betrieb der Bahn war ganz auf die Sodener Kur abgestellt. Am 22.05.1847 wurde er eröffnet. Der Zug fuhr nur in den Sommermonaten, vom 01. Mai bis 30. September. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit betrug 30 Stundenkilometer. Der Fahrpreis von Frankfurt nach Soden in der III. Klasse kostete 36 xr, in der Diligence 48 xr, von Höchst nach Soden 24 xr. Täglich verkehrten sechs bis acht Zugpaare, die etwa 250 Personen pro Tag beförderten.

Diese Frequentierung war auf die Dauer zu gering, um den Betrieb rentabel aufrechterhalten zu können. so wurden 1860 auf Drängen der Aktionäre die Fahrten eingestellt, zumal damals größere Reparaturen und Gleisarbeiten anstanden. Die Nassauische Regierung wurde gebeten, die Bahn zu subventionieren oder der Gesellschaft eine Konzession zur Einrichtung eines Spielkasinos mit Hasardspiel in Soden zu gewähren, weil man so hoffte, mehr Fahrgäste anzuziehen. Die Regierung lehnte ab und drohte, das Vermögen der Gesellschaft einzuziehen und zu verkaufen. Vier Jahre dauerte der Streit. Enteignen konnte die Regierung die Aktiengesellschaft nicht, sonst hätte sie die Bahn in eigener Regie übernehmen müssen. Die Konzession verbot den Verkauf zugunsten eines Dritten. Im März 1862 verlangte die Aktiengesellschaft eine Aversionalsumme von 10.000 Gulden und ein dreiprozentige Zinsengarantie, eine Verlängerung der Steuerfreiheit und des Wasserdebits auf weitere zwanzig Jahre und die Nutzniessung des Solsprudels. Regierung und Gemeinde Soden lehnten dies ab. 1863 übernahm die Regierung eine vierprozentige Zinsengarantie im Maximalbetrag von 1.750 fl, woran sich die Sodener Gemeinde mit einem Drittel beteiligen musste. Nach dieser Abmachung kam es am 02.03.1863 zum Kaufabschluss mit der Taunusbahn, wonach diese für 100.000 fl die Bahn nebst Inventar übernahm. Die Instandsetzung der Bahn kostete nochmals 150.000 Mark.

Am 30.08.1863 wurde der Betrieb der Bahn wieder aufgenommen. In diesem Jahr fuhr sie bis zum 25. Oktober. Am 01.01.1872 genehmigte das Ministerium auf Antrag des Sodener Gemeinderates den "versuchsweisen" Betrieb "mit beschränktem Dienst" auch während des Winters. Vier Zugpaare fuhren täglich.

Nach der Verstaatlichung der Sodener Bahnlinie wurden die beiden Lokomotiven umgebaut und erhielten neue Nummern, die "Soden" 1864 die Nummer 17 (ab 1866 Nr. 19), die "Nassau" 1865 die Nummer 18. Die "Soden" wurde zu einer 1A1-Tenderlok durch Anbau von Vorratsräumen, Bremsen und Pufferbohlen. Die "Nassau" veränderte man 1865, ein Jahr später als die "Soden", zu einer 1B-Tenderlok.

1879 wurde in Sulzbach eine Station errichtet. Das dafür erforderliche Land stellte die Gemeinde Sulzbach zur Verfügung, außerdem 14.000 Mark. Seit 1881 ist die Sodener Bahn eine Sekundärbahn. Mit dem Neubau der Limesbahn ab 1972 und dem Weiterbau der Kronberger Strecke über Niederhöchstadt und Schwalbach nach Bad Soden am Taunus wurde die Gefahr der Stillegung der Strecke abgewendet, die man nach dem Zweiten Weltkrieg lange Zeit befürchten musste, da man die Gleisanlagen in Bad Soden am Taunus und Sulzbach eingeschränkt hatte. Durch die Elektrifizierung der gesamten Strecke wurde die Fahrzeit der Züge verkürzt.

Im Stadtmuseum Bad Soden am Taunus befindet sich eine Fotografie, die in der Literatur der Vergangenheit immer mit dem Titel versehen worden war, "Ankunft Richard Wagners in Bad Soden am Taunus am 12.08.1860 nach 11jährigen Verbannung". Nun ist aber auf dem Schornstein der Lokomotive deutlich die Nummer "18" zu erkennen. Diese Nummer hat die "Nassau" aber erst 1865 erhalten. Somit kann die Aufnahme erst ab 1865 entstand sein.




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